Das Wort zum Freitag (6)

Liebe Kinofreunde,

es erfordert eine Definition von „Not“, wenn ein solches Sprichwort wie „In der Not frisst der Teufel Fliegen“ auf die eigene Situation umgemünzt wird. Abstrahiert man von allem Elend dieser Welt, dann bleiben hier und heute in unserem (Kreis)-Kaiserslautern-Kosmos zwei Programmkinos, die nicht öffnen dürfen, obgleich sie geradezu ideale Bedingungen hätten, dies zu tun: Es gibt Ein- und (Not-)Ausgänge, es gibt eine überschaubare Sitzplatzanzahl, die durch entsprechende Kenntlichmachung noch sehr viel überschaubarer gestaltet werden kann. Der erforderliche Mindestabstand wäre problemlos einzuhalten. Stattdessen nun also Autokino als Fliege, die, geht es nach dem Geschmack des Kulturministers, den Hunger des Publikums und die Kochlust der Kinomacher sättigen soll. Ein Autokino würde restlos allem widersprechen, wofür wir inhaltlich, umweltpolitisch, sozial und menschlich stehen. Not ist durchaus gegeben, denn es gilt Arbeitsplätze zu erhalten über einen noch unbekannten Zeitraum hinweg, es gilt, eine Firma vor der Insolvenz zu bewahren. Und es gilt, das seit 40 Jahren mit aller Liebe zum Film, mit Fürsorge und Zuneigung großgezogene und gepflegte Stück Kinokultur zu retten. Diese Fliege fressen wir trotzdem nicht.

Als pure Köstlichkeit erweist sich hingegen die von herzlicher Großzügigkeit geprägte Bereitschaft so vieler Menschen, mit ihrer finanziellen Unterstützung den Weg zu ebnen für eine Weiterexistenz unserer (und ihrer) Kinos – bar jeder anderen Erwartung als genau dieser. Jutta Roche sowie Waltraud und Gerd Lang haben es mit ihrem großartigen Spendenaufruf auf den Punkt gebracht: „…könnt Ihr Euch ein Lautern ohne Union, ein Enkenbach ohne Provinzkino vorstellen? Wir jedenfalls nicht!“ Wir auch nicht.

Ursula Simgen-Buch