Das Wort zum Karfreitag

Dieser Tage fand sich in meinem Briefkasten ein gar fein verpacktes Überraschungsgeschenk. Es entpuppte sich als liebevolle Geste einer Kaiserslauterer Künstlerin, die dem gegenwärtig so stark gepflegten und zunehmend zu hinterfragenden Wahn der „Selbstoptimierung in den sozialen Netzwerken“ (Schauspielerin Palina Rojinski, zuletzt bei uns zu sehen in Enkel für Anfänger) eine sehr schöne und praktische Idee entgegensetzte: Sie überlegte sich für ihre Nächsten individuelle Gaben, die sie entweder per Post schickte oder persönlich verteilte. Die mir zugedachte Gabe war das Buch einer Dame, die als Erinnerung für ihre Enkel ein Buch über ihr Leben während des Zweiten Weltkrieges geschrieben hat. Etwa zeitgleich las ich durch Zufall rund 70 Feldpostbriefe zweier Pfälzer Brüder. Diese Lektüre nun, 75 Jahre nach Kriegsende und in Zeiten, wo hierzulande absurde Kriege um banale Alltagsgegenstände entbrennen, macht demütig einerseits, wirkt stärkend und inspirierend andererseits. Ein Segen also, dass unter unsäglichen Bedingungen Briefe geschrieben, zugestellt und erhalten werden konnten.
Und vielleicht sollte man dem Osternest neben einem Kinogutschein oder einer Zehnerkarte einfach mal ein Päckchen Schokoladenpudding beifügen (Inbegriff des Heimatgeschmacks) – oder halt Hefe.

Meine persönliche Kreativität erschöpfte sich dieser Tage übrigens im Gestalten eines etwas anderen Baumes. Das gegenwärtig dank unfreiwillig gewonnener und dennoch kostbarer Zeit mögliche Aufräumen eines Kellerraumes förderte jede Menge Hufeisen zutage, deren innewohnende Magie bekanntermaßen die des Glücksbringens ist. Nun also hat der Hufeisenbaum in unserem Vorgarten die vorösterliche Aufgabe, weit über die Neuwiesen hinaus seines Amtes zu walten. Möget Ihr die kommenden Tage trotz aller Unsicherheiten und Einschränkungen genießen können mit Literatur und Musik, mit Spielen, Aufräumen und dem Einkleben alter Fotos, mit Telefonaten und Briefen – und vielleicht sogar mit einigen Kurzfilmen. Ab Dienstag nach Ostern nämlich läuft der Kurzfilm der Woche (verbunden mit einem kleinen Gewinnspiel) nicht vor dem Hauptfilm, sondern auf unserer Website www.film-kunst-kino.de.

In der weiterhin anhaltenden Hoffnung, euch alle bald wieder in unseren Kinos sehen zu dürfen, grüßt herzlich

Ursula Simgen-Buch